Erstmalige Stabsübergabe beim Verein Horizonte

Nach 25 Jahren kommt es beim Verein Horizonte erstmals zu einem Wechsel in der Geschäftsführung: Der langjährige Geschäftsführer, Erwin Wachter, geht in den Ruhestand und übergibt das Zepter seinem Nachfolger, Renato Battistini. Ein Interview mit den beiden hält diesen denkwürdigen Wechsel in der Vereinsgeschichte fest.

Erwin Wachter (links) und Renato Battistini – der ehemalige und der neue Geschäftsführer.

Erwin Wachter, Sie waren kurz Vorstandsmitglied, danach erster Betriebsleiter der Druckerei und schliesslich erster Geschäftsführer des Vereins Horizonte – macht Summa summarum 25 Dienstjahre. Wie blicken Sie kurz vor der Pensionierung auf dieses Vierteljahrhundert zurück?

Es war zumindest am Anfang eine Zeit voller Annahmen: Die Annahme, dass es mit der Gründung der Druckerei und später mit dem Abschluss der Aufbauarbeiten etwas ruhiger werde. Alles befand sich ständig im Fluss, seien es die Angebote, die Personalfragen, die maschinelle Ausstattung usw. Zugleich war es eine wertvolle Lehr- und Lernphase, da man unweigerlich mit dem Betrieb und den Anforderungen mitwachsen musste. Probleme und Herausforderungen gab es ständig, doch sie kamen nie gehäuft daher – insofern hatten wir auch Glück.

Was im Rückblick meist aus dem Blickfeld gerät, sind die vollendeten Tatsachen, die zum jeweiligen Zeitpunkt noch gar keine waren. Gibt es ein Rezept dafür, wie man mit dem Vereinsziel vor Augen erfolgreich durch die unbestimmte Zukunft navigiert?

Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass die Orientierung am Bedarf der Klienten der beste Kompass ist. Das bedingt eine ständige Nähe zu Klienten und Fachpersonen. Zugleich ist eine pragmatische Haltung unerlässlich, denn nicht alles lässt sich sofort realisieren. Als Geschäftsführer steht man schliesslich nicht alleine auf weiter Flur, sondern es gilt auch das Team und den Vorstand miteinzubeziehen. Die Stärken und Schwächen der Institution zu kennen ist dabei genauso wichtig wie eine gesunde Finanzlage. Solcherart gewappnet geht man gut vorbereitet auch an überraschende Herausforderungen heran, die neue Chancen eröffnen. Ich denke, dass eine zuversichtliche und positive Haltung, ein offenes Ohr für die Klienten und Fachpersonen sowie ein beherztes und zielgerichtetes Handeln ein gutes Rezept ergeben.

Nun zu Ihnen, Renato Battistini, als neuer Geschäftsführer des Vereins Horizonte. Wie kam es dazu?

Die Geschäftsführerin einer anderen sozialen Institution hat mich auf die Pensionierung von Erwin Wachter und die entsprechende Ausschreibung aufmerksam gemacht. Aus der Ferne wusste ich, dass in den vergangenen Jahren im Verein Horizonte sehr viel Neues entstanden ist: die Ausschreibung, der Bau des Plattenhofs und die Strategie 2019/2022 zogen mich in ihren Bann. Nach reiflicher Überlegung schickte ich mein Dossier ab. Während des mehrstufigen Bewerbungsverfahren wurde mir so richtig bewusst, wie sehr mein Herz für den Verein Horizonte pochte. Denn die gesellschaftliche Integration durch Teilhabe und Inklusion von Menschen mit psychischer Beeinträchtigung ist für mich bedeutend und sehr motivierend.

Was zeichnet Sie als Geschäftsführer aus?

Seit über 20 Jahren bin ich in verschiedenen Funktionen für NPO tätig. In den letzten 4 ½ Jahren führte ich erfolgreich eine Institution für Menschen mit geistiger und psychischer Beeinträchtigung unter betriebswirtschaftlichen Grundsätzen.

In den vergangenen Jahren konnte ich als Projektleiter verschiedene Projekte erfolgreich und nachhaltig abschliessen. So oblag mir unter anderem die Planung, Koordination und Umsetzung von Bauprojekten für Werkstätten und Gärtnereien mit Budgets von bis zu CHF 7.4 Millionen. Das Vertreten und das aktive Vernetzen der Institution in verschiedenen Gremien und Organisationen sowie Fundraising für Projekte bildeten einen Schwerpunkt meiner Tätigkeit.

Zudem war ich als Qualitätsbeauftragter für die Umsetzung der Qualitätsrichtlinien (SODK Ost +) und der Qualitätssicherung nach ISO 9001:2008 massgeblich verantwortlich.

Und wie sieht es mit Ihrem Führungsstil aus?

Ich pflege einen partizipativen und kooperativen Führungsstil und bin in der Lage, Mitarbeitende für Neues zu begeistern. Ich delegiere Aufgaben zielführend und lege Wert auf ein konstruktives und wertschätzendes Arbeitsumfeld, in dem Entwicklung möglich ist. Meine Fähigkeit, visionäres Denken mit strategischem Vorgehen zu verbinden, konnte ich in der Vergangenheit erfolgreich unter Beweis stellen. Dank meiner abgeschlossenen Ausbildung als Institutionsleiter und mehrjähriger Erfahrung als Geschäftsführer verfüge ich über die entsprechenden Fachkenntnisse zur professionellen Führung einer Organisation nach normativen, strategischen, unternehmerischen, betriebswirtschaftlichen und fachlichen Grundsätzen.

Worin bestehen die aktuellen Herausforderungen und welche kurz- oder mittelfristigen Prioritäten haben Sie sich auf Ihre Agenda gesetzt?

Vorab ist mir wichtig, der von Erwin Wachter geprägten wertschätzenden Betriebskultur Sorge zu tragen. Vordringlich sind für mich auch eine seriöse Einarbeitung in die Materie und das Anhören interner Fachpersonen, Mitarbeitenden und Bewohnenden, um ihre Bedürfnisse kennenzulernen. Meine fünf kurzfristigen Ziele lauten: Hohe Führungspräsenz übernehmen, wichtige Projekte umsetzen, Sicherheit und Vertrauen schaffen und die Geschäftsleitung konsolidieren.